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Montag, 17. Oktober 2016, 11:07

# jetztschreibenwir

Vor Kurzem lieferten drei syrische Migranten der Leipziger Polizei einen Terrorverdächtigen gefesselt 'frei Haus' und wurden nicht etwa nur mit Anerkennung und Dank bedacht, sondern sahen sich auch misstrauisch beäugt und sogar der Mitwisserschaft verdächtigt.
Inzwischen haben alle Drei Leipzig verlassen und sind in andere Städte zu Freunden gezogen um Racheakten der Familie Al-Bakrs und von Sympathisanten des IS zu entkommen. ("Untertauchen" nennt das ein Teil der Medien.) Ein Zeugenschutzprogramm soll erwogen werden.

Neuerdings gibt d
er Berliner 'Tagesspiegel' Menschen wie diesen syrischen Helfern eine Plattform. Jenen, die zwar oft Gegenstand lebhafter Diskussionen sind, selber aber nur sehr selten zu Wort kommen.

A
llen, die
über Migranten reden, sie be- und verurteilen ohne ihnen je begegnet zu sein, sie nie gefragt, geschweige denn ihnen zugehört zu haben - wie auch all jenen, die oft nicht weiterfragen aus Besorgnis, bei den Geflüchteten zu viele Wunden aufzureißen - ihnen allen bieten diese Texte die Möglichkeit, Erfahrungen, Ansichten und Vorstellungen direkt von
den Betroffenen zu erhalten.

Zum Beispiel dieser.
Er zeigt mit erhellender Deutlichkeit die Probleme mit denen sich Kriegsflüchtlinge auch bei uns im vermeintlich sicheren Deutschland konfrontiert sehen. Und er lässt uns die Hilfeleistung der drei Syrer im sächsischen Leipzig um Einiges besser verstehen, sie
umso höher schätzen.

Man wünschte sich nur, auch manch ein Politiker oder Amtsinhaber nähme sich Zeit zum aufmerksamen
Zuhören und Lesen ...


Zitat

14.10.2016 22:01 Uhr
#jetztschreibenwir
Der Terrorist in meinem Zimmer
Sie sind vor Extremisten aus Syrien geflohen. Jetzt sehen Flüchtlinge mit Sorge, dass die Gefahr auch in Deutschland groß ist. Sie kämpfen gegen verdächtige Landsleute.
Juan Akkash

In Leipzig überführten Flüchtlinge einen mutmaßlichen Terroristen.Foto: AFP

Shahin* wollte eigentlich nicht über die Angelegenheit reden. Doch das Thema ist ihm so wichtig, dass er sich überwindet. „Wir werden mit ihm fertig, aber auf legale, sachliche Weise. Auf deutsche Weise“, sagt er schließlich. Er meint den Mann, vom dem er glaubt, dass er mit einer Terrororganisation in Verbindung steht. Shahin hat ihn deshalb ganz genau ins Visier genommen.

In Deutschland und Europa haben viele Menschen Angst davor, dass mit den Flüchtlingen auch Terroristen kommen. Als Syrer zuletzt einen gesuchten Terrorverdächtigen in Leipzig überwältigten, wurde aber auch deutlich, dass viele Flüchtlinge sich gegen Terrorismus einsetzen – und dabei viel riskieren. Menschen wie Shahin. Er ist ein junger Ingenieur, der aus Syrien flüchtete, nachdem er sowohl von der Regierung als auch der Opposition verfolgt worden war. Jetzt lebt er in der Kleinstadt Voerde in Nordrhein-Westfalen.

Wie er auf den Verdächtigen Abu Omar, der in Wirklichkeit anders heißt, aufmerksam wurde? „Lügen haben kurze Beine“, sagt Shahin. Abu Omar habe immer wieder andere Geschichten erzählt und sich in Widersprüche verstrickt. Zum Beispiel habe er gesagt, seinen Arm in einem Bombenhagel verloren zu haben, in den er zufällig hineingeraten sei. „Später gab er jedoch zu, dass er direkt an Bodenkämpfen beteiligt war.“
Da kamen den Syrern, die mit Abu Omar zusammen im Flüchtlingsheim wohnen, Zweifel auf, die sich weiter verstärkten. So will ein anderer Landsmann gehört haben, dass Abu Omar in Syrien Kommandeur eines Selbstmordkommandos war. Nichervan* teilte mit Abu Omar ein Zimmer und hatte zunächst Mitleid mit dem behinderten Mann. „Als wir uns immer besser verstanden, sagte er mir, dass er sich der Al-Nusra-Front angeschlossen hat“, erzählt Nichervan. Die Al-Nusra-Front ist ein Ableger von Al Qaida, hat sich vor Kurzem formell von dem Terrornetzwerk losgesagt.

Shahin hat mitbekommen, wie sich der mutmaßliche Terrorist in den vergangenen zwei Monaten komplett isoliert hat. Außerdem soll er radikale Sprachnachrichten in sozialen Medien verbreitet und anderen Anweisungen für den Kampf gegeben haben. Tatsächlich ist Abu Omar auf mindestens vier Facebook-Seiten aktiv, die extremistische Ansichten verbreiten. Den Flüchtlingen in seinem Heim fiel auf, dass er oft neue Sim-Karten für Handys kauft. Und als sie ihn fragten, warum er sich nicht für den Familiennachzug bewirbt, sagte er nach Angaben von Shahin: „Ich habe hier so viele Ungläubige gesehen, das ist unbeschreiblich.“

Hinweise auf Terror
Nichervan gibt etwas kryptisch zu verstehen, dass die deutschen Behörden Bescheid wüssten über die Tätigkeiten des Terrorverdächtigen: „Wir haben getan, was nötig war.“ Auch Shahin sagt, er habe sein Wissen durch einen Mittelsmann an die Polizei weitergegeben. Das sind keinesfalls Einzelfälle. Viele Flüchtlinge informieren die Behörden, wenn ihnen Aktivitäten auffallen, die mit Terrorismus in Zusammenhang stehen könnten. Sie wollen Terroristen in Deutschland unter keinen Umständen dulden.

Nach Informationen der Zentralstelle für die Bekämpfung von Kriegsverbrechen in Bonn gehen täglich 25 bis 30 Hinweise auf Terrorverdächtige ein. Zudem betreibt der Bund eine Telefonhotline, die Hinweise aus der Bevölkerung entgegennimmt. „Zunehmend melden sich auch Menschen mit arabischem oder türkischem Hintergrund“, heißt es dort.
Wenn ihnen etwas auffällt, informieren die meisten Flüchtlinge aber Menschen, zu denen sie Vertrauen gefasst haben, Sozialarbeiter oder ehrenamtliche Helfer. „Bei einigen geht es darum, dass jemand sein Verhalten geändert hat“, heißt es von der Behörde. „Selten geht es auch um konkrete Anschlagspläne.“

So wie bei dem Fall, den Salim* beobachtet hat. Vor zwei Jahren kam er in eine Stadt mitten in Deutschland, mehr will er zu seinem Aufenthaltsort nicht sagen. Er teilte sich ein Zimmer mit einigen anderen Flüchtlingen. „Einer behauptete, den Dschihad hier fortführen zu wollen“, sagt Salim. Der Mann habe erzählt, Anweisungen von den Anführern bekommen zu haben und auf weitere Instruktionen zu warten. Salim meldete das sofort der Polizei. Die hatte zwar keinen konkreten Anhaltspunkt, um den verdächtigen Mann festzunehmen, aber er steht seither offenbar unter verstärkter Beobachtung.

Radikalisierung verhindern
Anderen Flüchtlingen wie Mohammed K. gehen die Maßnahmen der Behörden nicht weit genug. Am Rande eines Deutschkurses sei er von Teilnehmern aufgefordert worden, sich ihren fundamentalen Sichtweisen anzuschließen, sagt er. „Sie haben mich bedroht und versucht, mich zu schlagen. Ich habe das der Polizei gesagt, die aber nichts unternommen hat.“ Mohammed K. hat den Kurs daraufhin abgebrochen und bei der lokalen kurdischen Gemeinschaft um Rat gefragt.
„Wir raten den Flüchtlingen, sofort einen Sozialarbeiter oder die Polizei einzuschalten“, sagt Sipan Ibrahim, der Vertreter der syrischen Kurden in Deutschland. Um zu vermeiden, dass sich Jugendliche radikalisieren, sei es wichtig, die Familien zu sensibilisieren: „Wir bitten Eltern, mit den Kindern das Gespräch zu suchen, sobald sie derartige Tendenzen wahrnehmen.“ Eine Radikalisierung früh zu erkennen und zu verhindern, ist nach Ansicht der Behörden vor allem eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. „Zu einer effektiven Präventions- und Deradikalisierungsarbeit gehört eine koordinierte Zusammenarbeit von Polizei und Verfassungsschutz, anderen Behörden sowie zivilgesellschaftlichen Stellen“, erklärt das Bundesamt für Verfassungsschutz.

Auch der syrische Flüchtling Shahin wird sich weiter dafür einsetzen, dass es in Deutschland gar nicht erst zu Terrorakten kommt. Das Problem ist aber größer, als es sich Shahin vor seiner Flucht vorgestellt hatte.
„Der Krieg ist überall“, sagt er. „Nur die Regeln sind andere.“


*Namen von der Redaktion geändert

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Schulze.

Der 37-jährige Autor Juan Akkash war politischer Gefangener in Syrien und ist 2012 nach Griechenland geflohen. Im vergangenen Jahr kam er nach Deutschland. Er arbeitete in Nordsyrien als Multimedia-Journalist und ist jetzt für kurdische und internationale Medien tätig. Sein Text erscheint im Rahmen der Tagesspiegel-Ausgabe vom 15. Oktober 2015, die von geflüchteten Journalisten gestaltet worden ist.
(Tagesspiegel)

2

Donnerstag, 20. Oktober 2016, 12:47

Wie macht man eine gemeinsame Zeitung, wenn die Beteiligten aus völlig verschiedenen Kulturkreisen kommen, unterschiedliche Sprachen sprechen, nicht einmal ihre Schriftzeichen die gleichen sind?
Über die Herausforderungen des Projekts #jetztschreibenwir berichtet die Journalistin Dorothee Nolte.

Zitat

#jetztschreibenwir
Lernprozess für beide Seiten
25 Exil-Journalisten machten mit der Tagesspiegel-Redaktion eine Zeitung: Das war ein Abenteuer für alle Beteiligten.
von Dorothee Nolte

Gruppenaufnahme der Exil-Journalisten im Newsroom des Tagesspiegel-Verlagsgebäudes in Berlin-Kreuzberg.Foto: Thilo Rückeis

Wenn eine syrische Journalistin einen Text schreibt, der im Deutschen 4000 Zeichen haben soll: Wie viele arabische Zeichen muss sie dann schreiben? Mehr, weniger, gleich viele? Das ist nur eine der Fragen, die auftauchen, wenn eine Redaktion sich vornimmt, eine besondere Ausgabe zu machen, die überwiegend von geflüchteten Journalisten geschrieben und bebildert wird.

Es gibt viele weitere: Wie finden wir so viele Exil-Journalisten? Wie sind sie qualifiziert? In welcher Sprache kommunizieren wir, in welcher Sprache schreiben sie, wer übersetzt, haben wir überhaupt arabische Schriftzeichen in unserem Redaktionssystem, und warum heißt der Kollege mal Bilal, mal Belal, mal Mohammed, mal Muhamad? Was die Zeichenzahlen betrifft, vermutet eine Kollegin: Arabisch ist doch eine blumige Sprache – bestimmt werden die Texte durch die Übersetzung ins Deutsche kürzer. Aber nein – es ist genau andersrum.

Es ist ein Lernprozess für alle Beteiligten. Am Anfang standen die Idee und ein Auftakttreffen im Juni. Fast fünfzig Journalisten aus Syrien, dem Iran, Pakistan, Afghanistan, Ägypten, Aserbaidschan, Somalia und dem Tschad kamen ins Tagesspiegel-Haus. Darunter professionelle Journalisten mit jahrelanger Berufserfahrung, meist in oppositionellen Medien; Aktivisten und Blogger; Kollegen, die bereits regelmäßig in deutschen Medien vertreten sind; und interessierte Anfänger. Einige mussten ihr Land wegen Todesdrohungen verlassen, andere haben im Gefängnis gesessen, Folter erlitten, manche sind bereits seit Jahren in Deutschland, andere erst im vergangenen Jahr gekommen.

Beim lockeren Zusammensein kamen sie mit Redakteuren aller Ressorts ins Gespräch. Mitten im Ramadan war das, und schon wieder stand eine Frage im Raum: Stellen wir etwas zu essen und trinken auf? Ja, tun wir, arabisch und deutsch, Wasser und Wein. Manche essen nichts, andere ja, aber alle reden miteinander. Erstaunlich leicht ging das. Brauchen wir Dolmetscher? Es hätte geholfen. Aber es ging auch ohne, deutsch, englisch, mal was wiederholen, mal den Nachbar fragen und vor allem: hinhören.

Die Kontakte waren über verschiedene Netzwerke zustande gekommen: über das Trainee Programm der Neuen deutschen Medienmacher für Journalisten mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung und über das „journalists’ network“. Das Internationale Journalisten- und Mediendialogprogramm der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist offizieller Kooperationspartner des Projekts und unterstützt es.

Aus der Anfangsgruppe blieb ein harter Kern von rund 20 Journalisten übrig, die von Juli bis Oktober zu insgesamt fünf Workshops ins Haus kamen. Von Beginn an ging es darum: Welche Themen interessieren euch, worüber möchtet ihr schreiben? Aber dafür mussten die Teilnehmer erst mal etwas über den Tagesspiegel erfahren. Die Ressortleiter stellten ihre Seiten, den Online-Auftritt, die Social-Media-Aktivitäten, die Arbeitsprozesse in der Redaktion vor.

Es gab bewegende Momente
Der Fotograf Mohammed Albayoush reist aus Schwerin an, Tarek Khello aus Leipzig – das Bedürfnis, Anschluss an eine Redaktion zu finden, ist groß. Es gab bewegende Momente: etwa als alle ihre Fotos für die Reihe "Mein Moment" vorstellten, die sich durch diese Ausgabe zieht. Muhammad Yasin zeigte das Foto eines traurig blickenden Jungen, dem der große Zeh fehlt: sein Sohn, verstümmelt von politischen Gegnern wegen des Engagements seines Vaters. "Er ist noch in Pakistan und ich habe ein schlechtes Gewissen."
Aber es gab auch Gelächter, etwa als Hussein Ahmad berichtete, wie er Joschka Fischer zum Selfie überredete: "Ich sah ihn im Restaurant sitzen und habe gefragt, ob wir ein Foto zusammen machen können. Wenn ich einen Politiker sehe, mache ich immer schnell ein Selfie." Er kannte Fischer aus dem Fernsehen in Syrien.


Tagespiegel-Kulturchefin Christiane Peitz (rechts) mit den Exil-Journalisten Ahmad Barakizadeh, Guled Farah und Hiba Obaid...Foto: Thilo Rücke

Die Texte trudeln ein – einige Exil-Journalisten schreiben bereits auf Deutsch – und wieder tauchen Fragen auf: Sollen wir Texte, die in einem ganz anderen journalistischen Stil geschrieben sind als hierzulande üblich, so lassen oder für das deutsche Publikum aufbereiten?
Auf den letzten Metern kommt Stress auf. Viele Texte treffen gleichzeitig ein, Thilo Rückeis und Mike Wolff fotografieren alle Autoren, die Übersetzer aus dem Arabischen, Rafael Sanchez und Melanie Rebasso, kommen kaum nach. Manche Fotos, auf der Flucht geschossen, haben nicht die richtige Auflösung: Artdirektorin Sabine Wilms verschiebt die Fotos bis zuletzt von einer Seite auf die andere. Die Idee, von jedem Text eine kleine Zusammenfassung in der Originalsprache anzuhängen, erweist sich als arbeitsaufwendig: Das Redaktionssystem kennt keine arabischen Schriftzeichen, und in einem hierzulande gängigen Word-Programm kann man arabische Texte nicht formatieren. IT-Chef Wolfgang Talke kann helfen.

Dann der Höhepunkt, der "Production Day". Zehn Exil-Journalisten in der Redaktionskonferenz berichten, wie sie die Woche mit den Terror-Nachrichten aus Sachsen erlebt haben und diskutieren mit, wie der Titel der Ausgabe aussehen soll. In Eile tippen die Redakteure die letzten Fotogeschichten der Exil-Journalisten in die Layoutmaske. Politische Aktualitäten gibt es auch an diesem besonderen Tag. Am Abend wird gefeiert: dass wir das zusammen geschafft haben. Und dass wir wissen: Diese Ausgabe ist nicht das Ende der Zusammenarbeit. Es ist der Anfang.


Dorothee Nolte ist Tagesspiegel-Redakteurin im Bereich "Politik und Konzepte". Ihr Text erschien im Rahmen der Tagesspiegel-Ausgabe vom 15. Oktober 2016, die von geflüchteten Journalisten gestaltet worden war.

(Tagesspiegel)

3

Montag, 24. Oktober 2016, 09:00

Liebe gegen alle Hindernisse

Ein weiterer Text aus dem Projekt #jetztschreibenwir gibt Einblicke ins Migranten-Leben und den Betroffenen eine Stimme ...

Zitat

#jetztschreibenwir
Liebe gegen alle Hindernisse
Sara ist Christin, Mohammad Muslim. Beide sind ein Paar. Für ihren ersten Kuss bedurfte es eines Tricks.
Nastaran Nawras

Sara und Mohammed mussten schon etliche Barrieren überwinden.Foto: privat

Da wäre die Sache mit dem Schweinefleisch beim Kochen in der Küche – und die ist für beide so gar kein Problem. Auf Mohammads Speisekarte steht nämlich aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch. Sara macht das nichts aus – sie selbst verzichtet seit früher Kindheit lieber auf Schnitzel und Wurst vom Schwein.
Wenn die Liebe zwischen zwei Menschen groß ist, spielen andere Faktoren eine Rolle als die offensichtlichen. Unterschiedliche Ernährungsvorlieben, die Kultur, die Rasse und auch die Religion sind nur nebensächlich.
Die Liebe von Sara und Mohammad überwindet Grenzen, beide wollen gemeinsam durchs Leben gehen. Mohammad ist Muslim und Sara Christin. Für beide spielt die unterschiedliche Religion keine Rolle. Sie sagen: „Wir haben den gleichen Gott!“

Seit Mai 2016 wohnt der 26-jährige Mohammad in Forst in der Lausitz, direkt an der polnischen Grenze. [url='''http://preview-[url'']www.tagesspiegel.de/sport/fluechtlinge-und-fussball-der-traum-spielt-immer-mit/14692170.html[/url]']Er flüchtete vor dem Krieg in Syrien.[/url] Bei der „Creativity Group“ im Asylbewerberheim lernte er Sara kennen. Sie ist Studentin für Sozialarbeit und hat die Gruppe gegründet, um Flüchtlingen die Integration in Forst zu erleichtern. Zuerst waren beide nur Freunde, erzählt Mohammad, dann entwickelte sich Liebe. Und sie wissen genau, dass sie mit ihr alle Schwierigkeiten überwinden können. Doch nicht alle sehen das so.

Das Gerede der Leute ausblenden und das Herz einschalten
Mohammad erzählt: „Meine Eltern sagen: Wir sind Muslime und haben eine andere Kultur. Solltet ihr euch später trennen, dann bleiben die Kinder bei der Mutter und du bist wieder allein.“ Lange hat er mit seinen Eltern gesprochen, und auch mit Sara. „Sie versteht mich. Selbst wenn meine Eltern unsere Verbindung nicht akzeptiert hätten, wäre ich bei ihr geblieben. Aber zum Glück akzeptieren sie unsere Beziehung jetzt.“

Die 23-jährige Sara musste mit ähnlichen Vorurteilen ringen: „Bei mir war es so ähnlich, nur andersherum: Meine Eltern hatten auch sehr große Sorge. Sie sagten mir, dass es gefährlich für uns werden könnte. Wenn später Kinder kommen und wir uns trennen sollten, dann nehme der Vater die Kinder mit. Oder er benutzt dich, um in Deutschland bleiben zu können.“ Sara sieht das so: „Die Medien in Deutschland beeinflussen die Meinung über muslimische Männer besonders stark. Als ich gemerkt habe, dass ich mich in einen muslimischen Mann verliebt habe, dachte ich: ‚Oh nein! Die nächste Beziehungskatastrophe.‘ Mir schoss alles Mögliche durch den Kopf: Ob er nur schauspielert und irgendwann sein wahres Ich zeigt, ob er einen irgendwann einfach fallen lässt, wenn man nicht mehr gut genug ist, oder gar die Kinder verschleppt, ob ich selbst irgendwann konvertieren muss. Aber letztlich habe ich das Gerede der Leute ausgeblendet, meinen Kopf abgeschaltet und auf mein Herz gehört.“

Mohammeds Eltern wollen in Syrien bleiben - dennoch sollen sie Sara kennenlernen
Aber bis sich dann beide tatsächlich näherkamen, dauerte es noch ein wenig – und Mohammad musste in die Trickkiste greifen, erzählt Sara: „Wir waren beide anfangs sehr verlegen und wussten auch nicht wirklich mit der neuen Situation umzugehen. Den ersten Kuss hat er mir beim Tee in seinem kleinen Raum im Wohnheim mit einem Kartentrick entlockt, mit den Worten: ‚Wenn der Trick funktioniert, darf ich dich küssen.‘ Ich sagte okay, und natürlich funktionierte sein Trick wie geplant. Da war es dann geschehen.“

Mohammad kocht auch gern für seine Sara, seine Familie besaß vor dem Krieg zwei Restaurants, wo er viele Rezepte seiner Mutter erlernte. Mohammad hat gute Chancen, in Deutschland bleiben zu dürfen. Seine Eltern dagegen wollen nicht nach Deutschland kommen, sondern in Syrien bleiben, trotz Krieg. Sie wollen ihre Heimat nicht verlassen. Trotzdem will Mohammad, dass seine Eltern Sara kennenlernen. „Wenn der Krieg irgendwann ein Ende findet, wollen wir meine Familie in Syrien ab und an besuchen fahren“, sagt er.

"Wir haben von der ersten Sekunde an zusammengehalten"
Mohammad arbeitet als fachlicher Anleiter in einer Spielzeugwerkstatt und plant in Deutschland zu bleiben, um sich eine bessere und sichere Zukunft aufzubauen – und mit Sara eine Familie zu gründen.

Anfangs waren die Eltern besorgt über diese Beziehung. Aber jetzt freuen sie sich schon über die geplanten Enkel, die in beiden Religionen aufwachsen werden. „Unsere Kinder sollen selbst entscheiden können, welcher Religion sie angehören wollen“, sagt Sara, während Mohammad nickt. Am Wichtigsten ist ihnen, dass die Kinder gesund sind, da spielt die Religion für sie keine große Rolle. „Wir respektieren einander und wir werden auch die Wahl unserer Kinder respektieren.“

Natürlich gibt es immer mal wieder Meinungsverschiedenheiten, wie in jeder Beziehung, aber am Ende werden sie sich doch immer wieder einig. „Wir haben im vergangenen Jahr viele Dinge gemeinsam durchgestanden und bewältigt und sind in dieser kurzen Zeit vermutlich mehr Barrikaden begegnet als ein ganz gewöhnliches Paar. Aber wir haben von der ersten Sekunde an zusammengehalten, und das werden wir weiter, egal wie der Wind sich in Deutschland drehen wird.“

Die Autorin hat den Text selbst auf Deutsch verfasst.
(Tagesspiegel)

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agrippinensis hat den Blogeintag Respekt Alte von immewigger kommentiert.
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agrippinensis hat den Blogeintag Kasse 3 für Sie von Marbez kommentiert.
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4. Februar 2016, 20:48:
Robbespierre13 hat den Blogeintag Arabische Intellektuelle sind selten von fruechtetee kommentiert.
6. Dezember 2015, 14:15:
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15. März 2015, 21:38:
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